Hühnerfrikassee
Geschichte
Hühnerfrikassee – das klingt nach Kindheit, Sonntagsessen und dampfenden Töpfen in Grossmutters Küche. Doch das cremige Geflügelgericht hat weit mehr zu bieten als Nostalgie. Von seiner französischen Herkunft über die deutsche Hausmannskost bis hin zu modernen Interpretationen à la Tim Mälzer: Wir zeigen, wie vielseitig und zeitlos Hühnerfrikassee wirklich ist.
Die Ursprünge: Französischer Name, europäische Wurzeln
Der Begriff Frikassee stammt vom französischen „fricassée“ – ein Schmorgericht aus weissem Fleisch in heller Sauce. Bereits im 17. Jahrhundert tauchte es in französischen Kochbüchern auf, oft mit Kalb oder Huhn. Die Zubereitung mit einer hellen Mehlschwitze, Brühe und einer säuerlichen Note war damals revolutionär – leicht, elegant und dennoch sättigend.
Mit der Zeit wurde das Frikassee auch in Deutschland beliebt, wo man es bodenständiger umsetzte: statt edlem Kalbfleisch gab es häufig Huhn, gerne vom Vortag. Mit Spargel, Champignons, Möhren und Erbsen angereichert, wurde es zum Klassiker in der Familienküche – besonders in Norddeutschland.
Klassiker der Nachkriegszeit
In der Nachkriegszeit erlebte Hühnerfrikassee einen echten Boom. Es war günstig, sättigend und liess sich gut vorbereiten – perfekt für grosse Familien. Für viele wurde es zu einem „Sonntagsessen“, das mit einem Klecks Sahne veredelt und zu Reis serviert wurde. Noch heute weckt es Kindheitserinnerungen an dampfende Töpfe und lange Mittagstische.
Tim Mälzer und die moderne Frikassee-Küche
Tim Mälzer, bekannt für seine unkomplizierte, ehrliche Küche, hat Frikassee nicht neu erfunden – aber entstaubt. Bei ihm wird das Gericht zur Bühne für gute Zutaten und clevere Ideen:
Das Huhn kommt saftig geschmort oder gebraten daher.
Die Sauce wird mit Weisswein, Zitrone und frischen Kräutern verfeinert.
Statt Dosenchampignons gibt’s frische Pilze, der Spargel darf saisonal bleiben – oder gegen grünes Gemüse getauscht werden.
Mälzer betont gern: „Kochen muss nicht kompliziert sein – aber geil schmecken.“ Genau das trifft auf sein Frikassee zu: Ein Mix aus Nostalgie und modernem Geschmack.
Fazit: Ein Gericht, das Generationen verbindet
Hühnerfrikassee ist mehr als ein Relikt aus Omas Küche – es ist ein kulinarisches Bindeglied zwischen Tradition und Innovation. Wer sich auf das Gericht einlässt, spürt die Wärme alter Zeiten und die Frische neuer Ideen. Ob klassisch oder modern interpretiert, ob mit Huhn, Truthahn oder vegetarisch – Frikassee bleibt ein Allrounder auf dem Teller.
Rezept
Zutaten für 4 Personen
25 g Mehl
25 g Butter (weich)
100 g weisse Champignons
200 g grüner Spargel oder Stangensellerie
1 Stiel Estragon (optional)
4 Pouletbrust
3 EL Olivenöl
400 ml Hühnerbouillon
100 ml Weisswein
150 ml Vollrahm
1 Lorbeerblatt
100 g Erbsen (tiefgekühlt)
2 TL Zitronensaft
Zubereitung
Für die Mehlbutter das Mehl und die weiche Butter zu einem Kloss verkneten und kalt stellen.
Champignons putzen und je nach Grösse halbieren oder vierteln.
Spargeln im unteren Drittel schälen und die Enden abschneiden. Schräg in dünne Scheiben schneiden. Wenn du Stangensellerie verwendest, diesen in kleine Stücke schneiden.
Blätter vom Estragon grob hacken.
Pouletbrust in Würfel schneiden und in einem Topf mit Olivenöl farblos anbraten.
Pilze dazugeben und kurz mitbraten. Mit Hühnerbouillon, Weisswein, Vollrahm auffüllen, 1 Lorbeerblatt zugeben, salzen, pfeffern und 30 Min. bei mittlerer Hitze köcheln lassen.
Zehn Minuten vor Ende der Garzeit die Mehlbutter mit etwas Flüssigkeit vom Eintopf und einem Schwingbessen verrühren und zum Topf dazugiessen.
Erbsen und den Spargel resp. Stangensellerie hinzufügen.
Vor dem Servieren mit etwas Zitronensaft, Salz und Pfeffer und dem Estragon abschmecken. En Guete!
Dazu passt: Langkornreis oder Sauerteigbrot.